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Dritte und vierte Reihe

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Die dritte und vierte Gemälde-Zeile der Unionskirche

„Bestätigung Jesu durch Wundertaten"  und ,,Aufforderung zur Nachfolge Jesu"

So wie die erste Zeile den neugeborenen Jesus zeigt, der aber durch das Mittelbild der „Verklärung Jesu am Berg Tabor", bei der eine Stimme vom Himmel den dann schon erwachsenen Jesus als „Gottes lieber Sohn" verkündigt wird, so zeigt die zweite Zeile in den Bildinhalten, welche Aufgaben diesem „lieben Sohn" zugedacht sind: "Heiland" zu sein und „ein Licht zu erleuchten die Heiden" (Bild: „Darbringung im Tempel") und „König der Juden" (Bild: Anbetung der Könige). Verkündigung eines gütigen und verzeihenden Gottes (Bild:12 jähriger Jesus im Tempel)  und dennoch die Aufforderung zu konkreten Werken der Buße (Bild: Jordantaufe), und letztlich Sühnopfer zu sein um die Folgen der Sünde, den Tod, in der Welt aufzuheben.
Für die Verdeutlichung dieser Aufträge in Jesu jüdischem Umfeld braucht es eine sichtbare Legitimation, die der Vater dem Sohn gewährt, einerseits indem er ihm die Macht gibt, Wunder zu tun, andererseits aber auch, an ihm das alles überragende, in die Zukunft weisende Wunder an ihm vollzieht , die Auferstehung.
Jesus kann mit 5 Broten und 2 Fischen die 5000 Zuhörer, die ihm in die Wüste gefolgt sind sättigen. In anderem Umfeld, bei der glanzvollen Hochzeit zu Kana, verwandelt er, als der  Wein ausgeht, das Wasser in den Weinkrügen in Wein. Seinen Freund Lazarus, der schon einige Tage lang im Grab liegt, erweckt Jesus wieder zum Leben und der nicht - jüdischen Frau aus Kanaan, die ihn um Hilfe anfleht, bewirkt er die Heilung ihrer kranken Tochter.
In der 3. Bilderzeile in unserer Kirche sind nur diese 4 der von Jesus getätigten Wunder zu sehen. Im Neuen Testament stehen aber 35 Wundererzählungen verschiedensten Inhalts. Die Beschränkung auf und die Auswahl gerade dieser 4 Wunder hat seine Ursache vermutlich in einem religionspolitischen und religionspädagogischen Anliegen des Bauherrn:
Brotwunder und Weinwunder, die sich gegenüber stehen und daher durch ihre Symmetrie zur Hauptachse miteinander verbunden sind, sind als Hinweis auf die Elemente des Abendmahls, Brot und Wein, zu verstehen. Betont durch ein besonders prächtiges Gemälde, wird besonders das zweite Element, der Wein, der in der alten Kirche nur dem Priester vorbehalten war, im evangelischen Abendmahl aber allen Gläubigen gereicht wird.
Die Rückholung des toten Lazarus ins Leben steht neben der vom Vater bewirkten Auferstehung des Sohnes von den Toten und zeigt die Höhe der Bevollmächtigung des Sohnes.
Dass die Jesu erteilte Aufgabe größer ist als nur für die Israeliten da zu sein, lernt Jesus in der Begegnung mit der kanaanäischen Frau und deren Glauben, als er begreift, dass er nicht nur zu den Kindern Israels gesandt ist sondern als der Messias auch zu den nicht-jüdischen Stämmen und deshalb die Krankheit ihrer Tochter heilt.
Unsere Kenntnis der biblischen Geschichte stört sich daran, dass in der Mittelspalte nach dem Bild der Auferstehung in der 3. Bilderzeile in der 4. Zeile das Bild mit dem gestorbenen Christus folgt, der gerade vom Kreuz abgenommen wird. An dieser Reihenfolge haben sich fast alle gestoßen, die über  die Bilderdecke geschrieben haben und berufen sich dabei auch auf einen alten „Lageplan", der im Wiesbadener Archiv liegt. In ihm sind tatsächlich die Positionen von Auferstehung und Kreuzabnahme in der Weise vertauscht , wie es unsere historisch - chronologische Erfahrung erwartet: Zuerst Kreuzabnahme, danach Himmelfahrt.
Die Beweiskraft des „Lageplans", dass er - wie manche Autoren meinen - die ursprüngliche , originale Anbringung der beiden Bilder wiedergebe, ist aber deshalb fragwürdig weil auch an anderen Stellen das im Lageplan genannte Bildthema in der Ausführung  entweder  nur ungefähr so gemalt wurde (z. B.   Zeile 2, Spalte 2,
„Herodes Kindermorden" wurde nicht gemalt), oder gar kein Bildthema für einen Bildplatz genannt wird (z. B. Zeile 6, Spalte 3. Der Bildvorschlag ist durchgestrichen, ein neuer Vorschlag ist nicht notiert), oder ein (unleserlicher) Bildtitel ist durch einen anderen ersetzt worden (z. B. Zeile 3, Spalte 5, „Kanaanäische Frau").
Letztlich ist in diesem Lageplan eines der ovalen Obergadenfenster mit kleinen Kreisen ausgefüllt, was wohl so zu verstehen ist, dass eine Verglasung mit Butzenscheiben überlegt worden ist,, was - nach allem was wir wissen - nicht geschehen ist.
Mit diesen Änderungen und Fehlstellen erscheint der „Lageplan" eher als das Protokoll einer frühen Arbeitssitzung von Bauherr und seinem Superintendenten Elwert zur Deckengestaltung, die nach weiteren Überlegungen zur Endfassung verändert wurde,  die sich  aber leider nicht als ein Archivpapier erhalten hat.,
Wenn deshalb angenommen werden darf, dass die Reihenfolge wie sie heute in der Mittelspalte zu sehen ist : Kreuzaufrichtung - Auferstehung - Kreuzabnahme der originalen Planung der „Erfinder'' der Kirchendecke entspricht , was haben sie mit der Umkehrung der Chronologie , die in allen anderen Spalten eingehalten ist, andeuten oder aussagen wollen?
Es ist keine Deutung aus dem 17. Jahrhundert überliefert. Sie lässt sich aber aus der Gesamtkonzeption der Bilderanordnung ableiten, wenn man unterstellt, dass man damit den Betrachter auf die „richtige" Lesart der Bilderdecke lenken wollte. Es ist nämlich nicht die Chronologie der Ereignisse, die die Platzierung der Bilder an der Decke bestimmt, sondern der thematische Zusammenhang der Bildinhalte der Bilder in den „Zeilen". Danach ist die .Auferstehung" richtig in der 3. Zeile bei den Wundertaten platziert, und die „Kreuzabnehme", die die Fürsorge der Anhänger Jesu für dessen toten Leib dokumentiert, steht richtig in der 4. Bildzeile, zwischen den Fürsorgetaten Jesu für seine Anhänger , wie er in der „Tempelreinigung" die Händler und Wechsler aus dem Bethaus vertreibt und sich bei der „Fußwaschung " als Knecht seiner Jünger - und damit stellvertretend aller Menschen -. bekennt.
Die „Salbung" Jesu durch Maria Magdalena zeigt beispielhaft die Ehrerbietung, die wir Jesus erweisen sollen, während im Gegensatz dazu Pontius Pilatus trotz besserer Einsicht wegen des befürchteten Volkszorns sich nicht getraut, sein Todesurteil zu revidieren und deshalb „seine Hände in Unschuld" wusch und kein Nachfolger Christi wurde.
Wer bringt heute die Stärke auf, die damals dem Pontius Pilatus fehlte, sich offen zu dem Jesus Christus zu bekennen?

K. H. Schmidt

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